Samstag, 22. Juni 2013
Wert der Verträge und die Loyalität der Spieler
Bei jedem Transfer hören oder lesen wir es: "Der Spieler unterschreibt einen X-Jahres-Vertrag." Doch sind diese Verträge, die die Spieler an ihren Verin binden, heute wirklich noch etwas wert? Gerade jetzt in der Sommerpause, wenn der Transfermarkt am 1. Juli offiziell eröffnet, erlebt man, wie Spieler, die eigentlich einen laufenden Vertrag haben, den Verein wechseln. Dieser Vorgang ist im heutigen Fußballgeschäft vollkommen normal. Es wird eine eine Ablösesumme bezahlt, für die der Spieler aus seinem Vertrag herausgekauft wird und bei seinem neuen Arbeitgeber unterschreibt.
Es scheint so, als würden langjährige Verträge nur noch abgeschlossen werden, um bei Interesse eines anderen Vereines eine möglichst große Ablösesumme erzielen zu können.
Ein extremes Beispiel ist Zlatan Ibrahimovic, schwedischer Nationalspieler und einer der besten Stürmer der Welt.
Er wechselte 2004 von Ajax Amsterdam zum italienischen Rekordmeister Juventus Turin. Dann, als Folge auf den Zwangsabstiegs, wechselte er 2005 zu Inter Mailand, 2009 zum FC Barcelona, und dann 2010 zum AC Mailand.
Im letzten Sommer sicherte sich Paris Saint-Germain die Dienste des Schweden. Insgesamt kosteten alle Wechsel des Schweden zusammen über 173 Millionen Euro.
Aber nicht nur er wechselt regelmäßig den Verein. Im modernen Fußball ist es Routine, dass Spieler den Verein wechseln, ob nun wegen sportlichen Zielen oder einfach nur, weil der neue Verein mehr Gehalt bezahlen will.
Dieser Transfermarkt ist ja auch gar kein Problem, im Gegenteil, natürlich will ein Fußballspieler dort spielen, wo er auch spielen will, aus welchen Gründen auch immer. Dennoch lässt diese Entwicklung den Wert der Verträge niedrig erscheinen. Wenn ein Verein betont, der Spieler hätte einen noch 2 Jahre laufenden Vertrag, und ihn dann einige Monate später dennoch verkauft, erscheint das einfach unglaubwürdig. Und auch dem Ruf der Spieler selbst kann es schaden. Sie werden nicht selten als "Söldner" ohne Bindung zum Verein beschimpft oder, wie im Fall von Mario Götze, der in diesem Sommer für 37 Millionen Euro zum FC Bayern wechselte, gar als Verräter am Verein.
Dieses falsche Bild, das von laufenden Verträgen entsteht, kann auch dazu führen, dass Wechselwünsche der Spieler zum Streit mit dem Verein führen. Beispiele dafür sind Robert Lewandowski vom BVB Dortmund oder Leon Goretzka vom VfL Bochum. Beide Spieler würden gerne wechseln, doch die Vereine berufen sich, vollkommen zurecht, auf laufende Verträge. Dies kann bisweilen zu Machtspielen zwischen Verein und dem Spieler bzw. seinem Berater führen, die natürlich auch finanziell von einem Wechsel profitieren würde, oder sogar zu einem Gerichtsverfahren wie im Falle Goretzka, der den VfL Bochum verklagt hat.
Es hat sich also schon so sehr etabliert, dass die Spieler den Verein einfach wechseln dürfen, wann sie wollen, wenn es ein entsprechendes Angebot gibt. Sobald ein Verein, wie der BVB, diesen Vertrag mit dem Spieler nicht auflösen will, führt es zu medienwirksamen Konflikten.
Natürlich gibt es auch Ausnahme. Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Steven Gerrard, Xabi Alonso, Iker Casillas, all diese Spieler spielen schon seit der Jugend oder seit Anfang ihrer Profikarriere für einen Verein. Doch wie es scheint, gehören diese Typen mit der Zeit zu einer aussterbenden Art von Fußballspielern.

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